Zahnprobleme

Karies – die unterschätzte Gefahr

Eine dunkle Verfärbung, ein Loch im Zahn… Was genau Karies eigentlich bedeutet, wissen viele nicht. Alles über die Hintergründe der Erkrankung – und warum Karies gefährlicher ist als häufig gedacht, vor allem, wenn es nicht behandelt wird.

Wer kennt sie nicht aus der Kindheit, die Geschichte von „Karius und Baktus”. Bis heute sollen Kinder mit der Erzählung über die beiden bösen Bakterien lernen, was es bedeutet, ein Loch im Zahn zu haben und warum es so wichtig ist, sich regelmäßig die Zähne zu putzen. Viele haben die Geschichte im Erwachsenenalter, oft schon früher, jedoch im Detail längst vergessen. Dabei warnen Mediziner und Wissenschaftler immer wieder: Karies ist die häufigste Erkrankung der Zähne und stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Zahngesundheit dar, sogar mit ernsten Folgen für den ganzen Körper, wenn nichts unternommen wird. Warum das so ist und wie man Karies verhindert, klären wir im Folgenden.

Was genau ist Karies eigentlich?

Kurz gesagt wird bei einer Karies, was eigentlich Zahnfäule bedeutet, der Zahn in seiner Substanz zerstört (fachlich: die Zahnhartsubstanz). Es ist ein schädlicher Prozess der Entkalkung des Zahnes. Bildlich kann man sich die Entwicklung der Karies so vorstellen: Wie aus einem Felsen, der ständig vom salzigen Meerwasser umspült und allmählich ausgehöhlt und dabei immer poröser und löchriger wird, werden die Mineralien, also die harte Zahnsubstanz, bei einer Karies aus dem Zahn herausgelöst. Erst wird die Oberfläche des Zahnes beschädigt, der Zahn verfärbt sich als Zeichen des Schadens, dann entsteht ein Loch. Schmerzhaft wird es, wenn schließlich auch die weichen Teile der Zähne mit dem Zahnnerv betroffen sind.

Schuld sind zuckerhaltige Nahrung und die Abfallprodukte von Bakterien

Ausgelöst wird dieser Prozess der Zahnsubstanz-Zerstörung durch Säuren, die von Bakterien im Mund als Abfallprodukt ausgeschieden werden. Diese greifen den Zahnschmelz an, die äußere harte Schicht des Zahnes, und zersetzen ihn.

Hintergrund:
Wie die Wissenschaft nachweisen konnte, leben in unserem Mund über 700 verschiedene Arten von Bakterien, ohne dass wir etwas davon bemerken. Ähnlich wie in der Darmflora, wo gute Bakterien wichtige Funktionen erfüllen, sind auch im Mund viele dieser Kleinstlebewesen tatsächlich nützlich und wichtig für eine gesunde Mundflora.

Andere Bakterien wiederum leben aber von Speiseresten und Getränken, besonders den zuckerhaltigen Resten der Nahrung, die sich – wenn sie nicht regelmäßig mit der Zahnbürste weggeputzt werden – auf den Zahnoberflächen und besonders in den Zahnzwischenräumen ablagern. Bei der Verstoffwechselung der Speisereste scheiden die Bakterien die für die Zahnhartsubstanz gefährlichen Säuren aus – es kommt zu Karies, die unbehandelt immer weiter fortschreitet.

Woran erkennt man Karies?

Karies kann verschiedene äußerliche Merkmale haben, je nachdem, wo sie sich ansiedelt. Eine Zahnkaries entsteht wie beschrieben schon lange, bevor sie durch ein unübersehbares dunkles Loch sichtbar wird. Der umschreibende Begriff Zahnfäule ist zudem irreführend, weil der Zahnschmelz (und darunter Dentin) bei der Demineralisierung durch die Säuren abgebaut wird

Im sogenannten Initialstadium zeigt sich Karies noch recht unauffällig in Form kalkig-weißlicher Flecken (also heller als der umliegende Zahnton, genannt White Spots). Die Zahnoberfläche ist bei der beginnenden Entkalkung grundsätzlich noch intakt.

An diesen Spots lösen sich bereits Mineralien aus dem Zahnschmelz, was diesen porös werden lässt. Es zeigen sich auch dunkle Verfärbungen – ebenfalls ein Hinweis auf Kariesbefall. Während bei älteren Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen meist die Kauflächen, aber auch die Zwischenräume betroffen sind, bildet sich bei Älteren ab 60 Jahren meist an den Zahnhälsen Karies, weil diese im Alter oftmals frei liegen, wenn sich das Zahnfleisch zurückgebildet hat. Diese Form von Karies, welche die empfindlichen Zahnhälse angreift (hier ist die natürliche Schutzschicht der Zähne wesentlich dünner), nennt man auch Wurzelkaries.

Der Besuch beim Zahnarzt: Diagnose und Behandlung

Leider kann es nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung zu sogenanntem Sekundärkaries kommen, nämlich dann, wenn sich in den Spalten zwischen Füllungen und Zahn Bakterien ansiedeln. Und auch, weil Karies oft nur auf dem Röntgenbild gut sichtbar wird, ist ein regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt wichtig.

Mit einer Sonde kann er oder sie die Tiefe einer Karies bestimmen. Röntgenbilder zeigen kariöse Stellen besonders gut und werden meist hinzugezogen. Ist die Karies schon zu weit fortgeschritten, muss die Stelle aufgebohrt und befüllt werden.

Im Frühstadium lässt sich die Entkalkung des Zahnschmelzes ausgleichen

Die gute Nachricht: In einem noch recht frühen Stadium lässt sich Karies noch ohne Bohren und Füllungen aufhalten. Und zwar durch den Wirkstoff Fluorid: Er ist in Zahnpasta (z.B. LACALUT) enthalten und sorgt dafür, dass Mineralien im Speichel den Abbau von Zahnschmelz ausgleichen. Die fluoridhaltige Zahnpasta härtet den Schmelz und stabilisiert ihn dadurch wieder. Ein starker Zahnschmelz ist weniger anfällig für Bakterien. Wenn nach dem Essen unterwegs mal keine Gelegenheit ist, sich die Zähne zu putzen, kann Xylit-haltiges Kaugummi Abhilfe schaffen. Es regt den Speichelfluss an und hilft, die Säuren im Mund zu neutralisieren. Viel trinken und ein guter Speichelfluss ist generell wichtig, um Kariesbildung zu verhindern. Denn einige Bestandteile des Speichels besitzen antibakterielle Eigenschaften. Die in ihm enthaltenen Mineralien können den Verlust an harter Zahnsubstanz ausgleichen.

Oft unterschätzt: Eine unbehandelte Karies ist äußerst gefährlich, da die Entzündung auf den Kieferknochen übergehen kann, die Bakterien können außerdem über den Blutkreislauf in den Organismus gelangen und zu Entzündungen der Organe führen.

Karies durch die richtige Ernährung und Pflege vermeiden

Kariesbakterien mögen gerne Süßes – Speisen wie Getränke; raffinierter Zucker, aber auch Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruchtzucker), können von den Mikroorganismen besonders gut verwertet werden. Daher sollte man auf zuckerhaltige Lebensmittel möglichst verzichten bzw. sie nur in Maßen konsumieren und nach dem Verzehr sofort die Zähne putzen.

Nur so können die schädlichen Bakterien wieder reduziert werden. Der sich immer wieder neu bildende Belag aus Speichel und Bakterien, der auch Plaque oder Biofilm genannt wird, sollte daran gehindert werden, immer dicker zu werden. Denn in ihm können sich die Karies auslösenden Bakterien besonders gut vermehren. Langkettige Zuckerverbindungen, z.B. Kohlenhydrate in Vollkornprodukten, führen nicht zu Karies. Dennoch sollten Speisereste immer gründlich entfernt werden – für lange gesunde Zähne.

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